Wer kennt Korsakow?

Wer kennt Korsakow?

 

Sie kennen Gorbatschow und Smirnoff, aber Korsakow ist Ihnen bisher noch nicht begegnet? Trösten Sie sich! Was nach Wodka uns Politik  klingt, ist in Wirklichkeit ein nach einem russischen Professor benanntes organisches Psychosyndrom, dessen bestechendes Qualitätsmerkmal hochprozentiger Gedächtnisschwund ist. Ursache: Alkoholmissbrauch.

Der Angriff aufs Gehirn 

 

Alkohol wirkt nicht nur auf den Körper, sondern auch und vor allem auf das Gehirn. Der wichtigste Angriffspunkt ist das zentrale Nervensystem(kurz: ZNS). Dort kommt es je nach Dosis zu verschiedenen Wirkungen. Und die reichen von leicht daneben bis echt krass. Der Alkohol bringt nicht nur das natürliche Gleichgewicht im Gehirn durcheinander, sondern bremst es am Ende ganz aus.

 

Zu viel Alkohol lässt das Gehirn schrumpfen. Jeder Vollrausch und jeder „Filmriss“ werden zum Massengrab für Gehirnzellen. Die Folge:Gedächtnis- und Konzentrationsfähigkeit nehmen ab. Schließlich schwinden Intelligenz und Kreativität. Auch wenn viele große Köpfe und Genies im Alkohol ertrunken sind, gilt der Spruch „Dummheit frisst, Intelligenz säuft, das Genie macht beides“ nur eingeschränkt. Nicht jedes Genie säuft und nicht jeder Säufer ist ein Genie. Im Gegenteil: Zu viel Alkohol macht dumm und krank.

 

Schwarze Ratten und kleine Krokodile

 

Blaue Mäuse und schwarze Ratten nagen am Bettlaken. Bis an die Zähne bewaffnete Kaninchen hüpfen über den Fußboden. Kleine Krokodile lauern überall und ein grüner Elefant tritt die Tür ein. Horrorfilme dieser Art erleben Trinker im Delirium und manchmal auch schon vorher tatsächlich. Es handelt sich um eine typische Alkoholpsychose, die nach langem und exzessivem Trinken durch Entzug oder gelegentlich auch durch körperliche oder seelische Belastungen ausgelöst werden kann. Hauptsymptome sind Unruhe, Tremor, vegetativ Störungen, Halluzinationen und Bewusstseinsschwankungen.

 

Die zuletzt genannten "Komplikationen“ werden am häufigsten bei „Schnapsdrosseln“ beobachtet, können aber auch bei reinen Wein- und Biertrinkern auftreten. Das Ganze heißt in Fachkreisen „Delirium tremens“ und im Volksmund einfach „Säuferwahn“. 

 

Doch schon Jahre vor diesem zwei bis zehn Tage dauernden Horrortrip belohnt König Alkohol seine Untertanen für treue Dienste reichlich. Wer dem freundlichen Herrscher mit dem täglichen Konsum von zwei Liter Burgunder oder einer Flasche Doppelkorn brav sein Tribut zollt, darf fest auf eine Fettleber, eine Leberentzündung und auf den allmählichen Schwund des Organs hoffen. Der erfolgreiche Einsatz von Kirschwasser und flüssigem Enzian beschert überraschende Belohnungen im Bereich von Magenschleimhaut und Bauchspeicheldrüse sowie Hirn und Hoden.

 

Bevor König Alkohol für seine Untertanen viele bunte Tierchen herbeizaubert, führt er sie rechtzeitig in die hohe Kunst des groben Zittern, des Würgen und des kalten Erbrechens ein. Und am Ende einer erfolgreichen Karriere - nach braven Vollräuschen und verblüffenden Filmrissen, nach großen Schlachten und noch größeren Niederlagen - hält er für die Treusten der Treuen neben Orientierungsstörungen und Verfolgungswahn noch eine besondere Auszeichnung bereit: den „Korsakow“.

 

Der Despot Alkohol entlässt nach altem Brauch beziehungsweise nach jahrelangem Missbrauch drei bis fünf Prozent seiner treuesten Sklaven in die Narrenfreiheit einer geschlossenen Abteilung.

 

 

Alkohol-Stopp hilft dem Hirn

 

Und jetzt die gute Nachricht: Nach neuesten Forschungen kann sich die Kapazität des Gehirns von alkoholbedingten Schäden erholen. Beenden wir rechtzeitig den Alkoholmissbrauch, kann sich das Gehirn selbst regenerieren.

 

Vom Alkohol ausgelöste Schäden bilden sich wahrscheinlich umso besse zurück, je früher wir weniger trinken, als die Polizei und unsere Gesundheit erlauben. Bei rechtzeitigem Stopp wird nicht nur der Schrumpfungsprozess gestoppt, sondern das Gehirn gewinnt auch wieder an Volumen. Zudem verbessern sich Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Konzentration.

 

Fazit: Weniger oder gar keinen Alkohol trinken, bewahrt zwar nicht „todsicher“ vor Dummheit oder einer Fettleber, aber es vermindert deutlich die Chancen, von bewaffneten Kaninchen oder den Wärtern eines Landeskrankenhauses verfolgt zu werden.

 

Es ist einfacher, ein Problem zu lösen, als mit ihm zu leben.