TV-Talk "Der Klügere kippt nach"

Der Klügere kippt nach / Tele 5

Prominente Zeitgenossen diskutieren in einer Kneipe in St. Pauli über weltbewegende Themen wie die weibliche Ejakulation oder wie Mann mit seinem Hodensack ein Vogelnest baut. So das Konzept einer neuen TV-Talk-Show mit dem wenig originellen Titel „Der Klügere kippt nach“. Na dann...

 

Prost Tele 5! Endlich eine Sendung nach Schema A. Der Münchener Privatsender hat den Mumm, mehr und weniger Prominente vor der Kamera live trinken und ungeschnitten labern zu lassen. Was die Macher der Show als völlig neues Unterhaltungskonzept anbieten, erweist sich nach den ersten Ausgaben allerdings  als fader Aufguss unzähliger Talkshows. Und die Show selbst, die unter dem dümmlichen Spruch „Der Klügere kippt nach“ verkauft wird, ist nicht mehr als eine chaotische Flimmerkasten-Stammtischrunde.

 

 

Eine Schnapsidee

 

„Der Klügere kippt nach“ will nach Aussagen der Macher kein „Suff-Fernsehen“ präsentieren, sondern einen unterhaltsame TV-Stunde mit einer lockeren Stimmung „unter Freunden“. Das Konzept des Formats: „Ein paar Leute sitzen zusammen und unterhalten sich über verschiedene Themen unter Alkoholeinfluss.“ Bier, Wein und Hochprozentiges sollen die Zunge lockern. So weit, so gut. Oder auch nicht. Doch was haben sich Hugo Egon Balder und Co. dabei gedacht? Nicht viel – außer vielleicht, mit einer Schnapsidee Quote zu machen.

 

 

Massive Kritik

 

Diese Quote befürchtet nicht nur Marlene Mortler, die Drogenbeauftragte des Bundes, die in der Tele-5-Trink-Show nicht nur eine Verharmlosung des Alkoholkonsums, sondern eine „gezielte Aufforderung zum Rauschtrinken“ sieht. Auch besorgte Suchtexperten wie der Bundesgeschäftsführer des Kreuzbundes, Heinz-Josef Janßen. melden massive Kritik an. Die Sendung sei angesichts Millionen Alkoholkranker und -gefährdeter in Deutschland nicht nur für Suchtbetroffene ein Schlag ins Gesicht.



Vorbild Ina Müller

 

Dabei ist die Idee nicht neu: In der Late-Night-Show „Inas Nacht“, die seit 2007 vom NDR produziert wird, säuft, singt und sabbelt Ina Müller im Hamburger Schellfischposten mit prominenten Gästen. Auf Sport 1 diskutieren Prominente und Fans in der Essener 11 Freunde-Bar“ – live und mit frisch gezapftem Pils beim „Bitburger Fantalk“. Und beim sonntäglichen „Volkswagen Doppelpass“ stößt Moderator Jörg Wontorra zur Mittagszeit im Hilton Airport Hotel mit „Paulaner Weizen“ auf das Wohl seiner Talk-Gäste an. Niemand regt sich auf – im Gegenteil.

 

 

Internationaler Frühschoppen und Blauer Bock

 

Wozu also, bitteschön, jetzt die ganze Aufregung? Als hätte es den Mix aus Talk, Show und Alkohol im Fernsehen nicht immer schon gegeben. Schon zur Zeit, als das Fernsehen noch in den Kinderschuhen steckte, saß Werner Höfer mit seinen Gästen beim Frühschoppen. Und in der Äppelwoi-Schenke „Zum Blauen Bock“ von Heinz Schenk traf sich alles, was im Showgeschäft der 60er,-70er-, und 80er Jahre Rang und Namen hatte.

 

 

Start mit 240.000 Zuschauern

 

Auch in Zukunft wird es Formate wie „Der Klügere kippt nach“ geben. Auch in Zukunft wird es zwei Möglichkeiten geben: Entweder sich (wie 240.000 Zuschauer am Ostermontag) das ganze Trink-Talkshow-Gelaber weiter antun – in der Hoffnung, dass die Themen noch kühner werden und dass endlich Gäste auftreten, die voll wie die Haubitzen sind und nicht nur nüchtern schon so reden wie andere mit zwei Promille – oder abschalten. "Der Klügere schaltet ab."

 

 

Es ist einfacher, ein Problem zu lösen, als mit ihm zu leben.